Muskatnuss – Ein Fall für die Drogenfahndung

von | Nov 2, 2017 | Historisches, Küchenallerlei | 3 Kommentare

Die Muskatnuss ist es wert, dass man ihr aufgrund ihrer Vielseitigkeit und ihrer bewegten Vergangenheit, eine etwas größere Aufmerksamkeit schenkt.

Die Muskatnuss ist der Samenkern und nicht, wie viele annehmen, die Frucht des Muskatbaums. Die Bäume erreichen eine ungefähre Lebensdauer von 100 Jahren, ab dem achten Lebensjahr trägt diese Investition die ersten Früchte. Ließe man diese Bäume ohne Eingreifen des Menschen sich selbst überlassen, erreichen diese eine Höhe von bis zu 20 Metern. Der Einfachheit halber und zu Erntezwecken ist für den Gewürzkommerziellen Baum aber ab sechs Metern Schluss mit lustig. Ab dem 15. Lebensjahr wird der Muskatbaum am ertragreichsten und kann voll ausgebeutet werden. Der Samenmantel der Muskatnuss wird gerne als Muskatblüte verkauft und ist im Geschmack deutlich zarter als die Muskatnuss.

Ursprünglich stammt die Muskatnuss von den indonesischen Banderinseln, um die es, aufgrund ihres Reichtums an Gewürzen, heftige und blutige Auseinandersetzungen gab. Dieses Mal war es an den Engländern und Holländern, die Muskatnuss und deren Bekanntheitsgrad in die restliche Welt zu transportieren.

Feines Mahl - Muskatnuss - Markus Ertl

Die Muskatnuss ist hart und reib- oder mahlbar und verströmt frisch einen intensiven und betörenden Geruch, weswegen sie auch, so man daran glauben möchte, als teures Aphrodisiakum gehandelt wurde. Als Potenzmittel, so flüsterte man sich im Mittelalter, sollte es genügen sich die Nüsse als Kette umzuhängen um die eigenen männlichen Nüsse zu stimulieren. Nachteilig in diesem Fall nur, dass man als Ejakulationswillig sofort erkannt wurde. Oder Impotent.

Die Muskatnuss findet sich in der Anwendung sowohl in der Metzgerei als auch in der Küche (außer Gefängnisküchen, dazu gleich mehr) wieder. Sie gesellt sich gerne zu Leberwurst, ist aber auch gern gesehener Gast anderer Wurstsorten innerhalb eines Saitlings oder Schweinedarms. In der Küche gibt die Muskatnuss hellen Saucen oder hellem Gemüse das besondere etwas. Für Fastfoodverwöhnte und/oder erfahrungsarme deutsche Gaumen eher uninteressant, korrespondiert die Muskatnuss auch gerne mit Hammelgerichten.

Die Geschichte der Muskatnuss ist reichlich Blutdurchtränkt. Im 17. Jahrhundert versuchten Engländer als auch Holländer eine Monopolstellung auf die Muskatnuss zu bekommen. Die Indonesischen Einwohner der Bandainseln zum Beispiel wurden von der ostindischen Gesellschaft gezwungen, ihre Ernte weit unter Wert zu verkaufen. Der Widerstand ließ nicht lange auf sich warten, doch der Handelskonzern war nicht auf eine basisdemokratische Diskussionsrunde geeicht, und entledigte sich kurzer Hand mit friedenserzwingenden Maßnahmen fast der kompletten Inselbevölkerung. Auch die Engländer versuchten in einem anderen Teil Indonesiens ein Muskatmonopol zu errichten. 1623 kam es dann zur „Blutnacht von Ambon“, in der die Holländer die Englische Konkurrenz mit ebenfalls äußerst blutigen Argumenten aus dem Rennen warf. Einige Scharmützel und kriegerischer Auseinandersetzungen später, war die ostindische Gesellschaft, dank der Muskatnuss, die reichste der Welt.

Haftungsausschluss

Die dargestellten Informationen dienen der neutralen Information und stellen keineswegs eine Empfehlung, Diagnose- oder Therapieanweisung dar. Bitte fragen Sie vor Einnahme von Produkten Ihren Arzt oder Apotheker für eine Fachliche Einschätzung Ihrer persönlichen Situation. Wie übernehmen keinerlei Haftung die sich aus der Anwendung dieser Informationen ergeben.

Schaut man auf die Inhaltsstoffe der Muskatnuss und bemüht kurz das Betäubungsmittelgesetz, so bewegt sie sich gerade noch im Rahmen der Legalität. Die Muskatnuss enthält zu großen Teilen den psychotropischen Wirkstoff Myristicin. Wird dieser im Körper verstoffwechselt, kann es zu Halluzinogenen zuständen kommen. Der Wirkstoff ähnelt in seiner chemischen Struktur der von Mescalin und Ecstasy. In kleinen teilen und nicht weniger wirksam sind die Wirkstoffe Elmicin und Safrol vorhanden, die ebenfalls zur Gruppe der Halluzinogenen zählen. Eben aus diesem Grund ist die Muskatnuss in den meisten deutschen Gefängnissen verboten. Sollte einmal jemandem das Gras ausgehen, so ist von der Muskatnuss als Ersatzdroge dringend abzuraten, da die Wirkstoffe von Muskatnuss zu Muskatnuss reichlich schwanken und eine genaue Dosierung unmöglich ist. Der Rausch kann mehrere Tage anhalten und die hohen Nebenwirkungen in Form von Todesangst und Verfolgungswahn machen die Muskatnuss als Rauschdroge gänzlich ungeeignet.
Auch die heilige Hildegard von Bingen, die heimliche Drug Queen des Mittelalters, bekam ziemlich schnell spitz, um was für ein geniales Teufelszeug es sich bei der Muskatnuss handelte. Rhetorisch genial in ihren Schriften verpackt, stößt man auf:

„(sie)… öffnet sein Herz und reinigt seinen Sinn und bringt ihm einen guten Verstand”

Auch als Vorgängerrezeptur für Space-Kekse riet sie:

„Muskatnuss zu gleichen Gewicht wie Zimt und etwas Nelke zu pulverisieren und mit Weißmehl und etwas Wasser zu Törtchen zu bereiten. Dieses Dämpft alle Bitterkeit des Herzens und macht deinen Geist fröhlich”

Die gute Hilde…

Normal dosiert ist die Muskatnuss, außer für schwangere, aber völlig unbedenklich und unersetzlich in jeder Küche. In diesem Sinne: Bon Appetit.

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