Henkersmahlzeit – Der letzte Höhepunkt

von | Nov 27, 2017 | Historisches | 2 Kommentare

Es mag ironisch und makaber anmuten, sich dieser Thematik anzunehmen. Doch sind die Geschichten und die Legendenbildung, die diese besondere letzte Mahlzeit betreffen teilweise unfreiwillig komisch.

Die Henkersmahlzeit ist ein Begriff, der sich bereits im 17. Jahrhundert etabliert hatte und seit dem, bis heute als ungeschriebenes Gesetz Anwendung findet. Jedoch gehörte es bereits schon im 16. Jahrhundert zum guten Ton, dass man verurteilten vor der Hinrichtung eine gute Mahlzeit gab. Heute wird die Henkersmahlzeit als „Mahlzeit vor einem unangenehmen Ereignis“ definiert.

1824 findet sich in der Regensburger Chronik folgender Eintrag:
Bey Gelegenheit der Hinrichtung des K. befremdet die Feyerlichkeit des Henkersmahls, an welchem mehrere Personen theil genommen zu haben scheinen.

„Man unterscheidet zwischen freiwilligen und unfreiwilligen Henkersmahlzeiten”

Auch 1701, in einer anderen Chronik, verzichtet man auf die Berechnung von Tischtuch und Geschirr sowie 2 Flaschen und 2 Maß Wein. So unzivilisiert ging es dann also doch nicht im Mittelalter zu.

Heute unterscheidet man zwischen „freiwilligen“ und „unfreiwilligen“ Henkersmahlzeiten. Zu den bekanntesten unfreiwilligen zählt zweifellos das letzte Essen auf der Titanic. In den USA gibt es für die Henkersmahlzeit für die zum Tode verurteilten eine finanzielle Obergrenze von 40 Dollar. Hierbei ist, statistisch gesehen, der Cheeseburger der letzte Renner. In Texas wurde die Henkersmahlzeit nach 2011 jedoch eingestellt, da diese ein „extrem unangemessenes Privileg“ darstelle, da die Opfer auch kein Privileg darauf gehabt hätten.

Feines Mahl - Henkersmahlzeit

Klassische Stilblüten aus der Vergangenheit verschafften den Delinquenten ein hohes Maß an Zeit. So wünschten sich zum Tode verurteilte Goldgräber in entlegenen Gebieten gerne frische Austern. Hin und wieder reichte die Beschaffungszeit aus, um sich illegal zu befreien um damit dem Galgen zu entkommen. Überliefert sind auch stundenlange und ausschweifende Menus und ebenso zeitschindende Zigarren mit einer Brenndauer von bis zu 2 Stunden.

Schlauer als sein Henker wollte der 1953 in Sing Sing inhaftierte Häftling Donald Snyder sein, der sich normalgewichtig mit 68 Kilo im Gefängnis bis zu seinem Hinrichtungstag auf satte 136 Kilo hochmästete.

„Abgelehnt: No refreshments before death”

Am Tag seiner Hinrichtung blähte er sich mit Unmengen von Schnitzeln und Eiern auf, in der Hoffnung nicht mehr in den elektrischen Stuhl zu passen. Reporter und Augenzeugen berichteten nach der Hinrichtung jedoch, dass der elektrische Stuhl wie maßgeschneidert gepasst hätte.

In Leeds wollte sich 1897 ein Mehrfachmörder bescheiden geben und erbat sich lediglich ein letztes Glas Wasser. Diese bescheidene Bitte wurde jedoch abgelehnt: No refreshments before death.

Die Henkersmahlzeit ist meist ein Abendessen, da christliche Kulturen die Hinrichtung fast immer in den Morgenstunden, kurz vor Sonnenaufgang angesetzt haben.

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